Blätter(n) im Biosphärenreservat Rhön
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Geschichte des OchsenbäckerHauses

Historisch und modern
Das OchsenbäckerHaus (erbaut 1592) im Eigentum der Stadt Tann (Rhön) ist eines der ältesten Häuser in Tann und beherbergt seit dem 6.12.1998 im Erdgeschoss die Rhönbücherei der Stadt Tann, eine moderne Buchhandlung und ein Internet-Cafe.

 

Tanner Gäste können sich hier über die Rhön informieren, Rhönbücher kostenlos ausleihen, im Internet surfen, aktuelle Bücher oder Wanderkarten kaufen und sich einige Regionalwaren aus der Rhön mitnehmen.
Frontansicht des OchsenbäckerHauses Tann Zur Geschichte

In früheren Jahren beherbergte das OchsenbäckerHaus einen Bäcker, später dann einen Fleischerladen, einen Fuhrbetrieb, ein Kolonialwarenlädchen.- Den Namen erhielt das Haus durch den über der Tür auf einem Podest liegenden Sandsteinochsen, der früher für Fleischhauereien typisch war.
logo, Gestaltung Frau Anna Zeis-Ziegler www.perl-taucher.de
Erbaut wurde es 1592, und seitens der Stadt Tann in den Jahren um 1995 komplett und aufwendig renoviert. Den Architekten gelang eine gelungen Symbiose aus Alt und Neu. Im ersten Stock des Hauses befinden sich durch die Stadt vermietete Privaträume, der untere Teil dient als öffentlich zugänglicher Bereich.

 

Das Fachwerk des Hauses ist selten in der Region, zeigt u. a. eine aufgehende Sonne. Das Fachwerk und die Sonne spiegeln sich in einem der logos des OchsenbäckerHauses wieder, entworfen von der Grafikerin und Designerin Anna Zeis-Ziegler aus Sinntal-Yossa.

Als südlichstes Beispiel des niedersächsischen Fachwerkbaus in Hessen
nimmt das Haus einen besonderen Rang als Kulturdenkmal ein.

 

Hier einen Text aus den Buchenblättern, der die geschichte -anscheinend belegt- anders darstellt: Die „Leibs“-Häuser in Tann von Karl Rommel +
2 (Schluß) Buchenblätter, 29. Oktober 1973


Das Haus Marktstraße Nr. 17


Wenn auch das Haus Marktstraße Nr. 17, früher Nr. 57, gleichfalls mit abgebrochen wurde, obwohl es nicht zu den „Leibs“-Häusern gehörte, so lag dies wohl daran, daß es an erstere angebaut war und auch wohl deren Alter teilte. Es sei ihm deshalb doch ein kleiner geschichtlicher Nachruf gewidmet: Das Wohnhaus – zwei Flügel im rechten Winkel zueinander – hat bisher nur Wohnzwecken gedient, während die schon längst abgebrochenen Wirtschaftsgebäude einst landwirtschaftlichen Zwecken zur Verfügung standen; die Scheunen befanden sich früher allgemein
außerhalb der Stadtmauer. Die erste uns durch Urkunden bekannte Eigentümerin war eine Familie Gerstung. (Es waren Vorfahren des noch allen alten Tanner bekannt gewesenen Postschaffners Gustav Gerstung). Am 27.6.1756 wurde dem Bürger und Zeuchmacher Johann Christoph Gerstung der Sohn Johann Peter geboren. Dieser heiratete am 15.2.1790 die Tochter Rahel des Zeuchmachers Johann Marth. Am 15.11.1791 wird als Hoferbe der Sohn Johann Peter, doch die Mutter stirbt bei der Geburt, und da der Vater nicht mehr heiratet, so bleibt es bei diesem Kinde. Johann Peter, der
Vater, hatte schon früher neben dem Zeuchmacher-Handwerk etwas Landwirtschaft betrieben, doch als der Sohn Johann Peter am 11.2.1816 die Gastwirtstochter Elisabeth Orf aus dem Gasthaus „Grüner Baum“, heute „Gasthaus zur Rhön“, heiratet, wird er als Bürger und Ökonom angeführt; Ökonom war früher ein größerer Landwirt. Johann Peter Gerstung lebte mit seiner Familie in der Hauptsache von der Landwirtschaft. Für seinen Fuhrbetrieb hatte er ein schweres Ochsengespann, womit er wohl auch Lohnfuhren ausführte. Ochsen waren früher auch als Zugtiere eingesetzt. Sie waren zwar nicht so wendig wie Pferde, doch im Gebirgsgelände mit schlechten Wegen war ihre Leistung eine größere.
Im Jahre 1822 fand in dem Anwesen Nr. 57 ein Besitzwechsel statt. Johann Peter Gerstung vertauschte es mit dem Bäcker Philipp Lämmerhirt gegen das Anwesen Nr. 22, heute Marktstraße Nr. 9. Er wurde zwar nun Bäcker, betrieb aber weiterhin etwas Landwirtschaft, wobei wohl die Ochsen wieder im Vordergrund standen. Über Spötteleien „Ochsenbäcker“, setzte er sich hinweg
und ließ von berufener Hand eine ruhende Ochsenplastik herstellen und auf einer Konsole über dem Hauseingang anbringen, wo sie noch heute, neben dem schönen Fachwerk, ein Blickfang für das ganze Haus ist.
Von Johann Peter Gerstung sei noch folgendes erwähnt: Obwohl er vermögend war, hatte er trotzdem Verständnis für ärmere Leute. Als im vorigen Jahrhundert die Handweberei, die auch in Tann stark betrieben wurde, durch die aufkommende mechanische Weberei zum erliegen kam, herrschte in vielen Familien Not. Da viele Familien kein Kraut- oder Kartoffelbeet besaßen, stellte
Gerstung einen Acker „hinterm Wiegands Garten“ zur Verfügung und ließ diesen in über zwanzig Beete aufteilen und an arme Leute übergeben; ob er dafür ein Honorar entgegennahm, ist nicht bekannt. Diese Beete, die sich vom ehemaligen Wiegands Garten bis zur heutigen Bergstraße erstreckten, sind alsdann als „Gerschtepetters Beet“ in die Tanner Geschichte eingegangen. Heute sind sie zum größten Teil mit Neubauten besetzt.
Doch zurück zum Haus Nr. 17, früher Nr. 57: Nach dem Tausch war zunächst der ehemalige Bäcker Philipp Lämmerhirt Eigentümer desselben. Auf ihn folgte 1838 zunächst sein Sohn Konrad und nach dessen Tod im Jahre 1848 seine Witwe Susanna. Auf Susanna Lämmerhirt folgte 1863 deren Tochter Elisabetha Bühner geb. Lämmerhirt. In dieser Zeit war das Haus zweigeteilt, und zwar gehörte Nr. 57a der Elisabetha Bühner; 57b gehörte dem Tüncher Friedrich Kuhl. Später gehörten diese getrennten Teile der Taglöhnerin E. A. Fleischmann, Witwe, und dem Tüncher Florentin Kuhl. Am Ende kam unter dem Oberpostschaffner Christian Kümpel wieder alles zusammen, der es bis
zum Jahr 1972 bewohnte.


Buchenblätter, 29. Oktober 1973

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